TA

Auf dieser Seite möchte ich Verbindungen zwischen der Transaktionsanalyse und der Entwicklungszusammenarbeit herstellen. Die Transaktionsanalyse (TA) ist eine vom amerikanischen Psychiater Dr. Eric Berne begründete psychologische Methode, mit der Menschen lernen, ihre Persönlichkeit zu entwickeln, ihre Potentiale auszuschöpfen und effektiver zu kommunizieren. Die Transaktionsanalyse wird auch zur Analyse, Steuerung und Entwicklung von Gruppen und sozialen Systemen eingesetzt, weshalb mir die Methode auch in der Entwicklungszusammenarbeit als ein wichtiges Instrument zur Analyse einer Situation oder Problemstellung erscheint.

Weitere Informationen zur TA sind unter dem Link Deutschschweizer Gesellschaft für Transaktionsanalyse zu finden.

Maschensysteme in der Entwicklungszusammenarbeit

Das Maschensystem nach Erskine, Zalcman unterscheidet Skriptüberzeugungen / Skriptgefühle, Maschenäusserungen und verstärkende Erinnerungen. Die Skriptüberzeugungen der Bauern in Tarata sind durch den Kolonialismus geprägt. Der ‚Ingeniero‘, d.h. der Experte, der von aussen kommt und etwas mitbringt, weiss, wie er sein Leben verbessern könnnte. Durch die Hilfe von aussen verharrt der Bauer in der Passivität. Schon die Kinder lernen das. Sie beobachten, dass ein ‚Ingeniero‘ auf den kleinen Hof kommt und etwas mitbringt, etwas baut, dazu etwas befiehlt und kontrolliert. Sehr früh prägt sich ein, dass der ‚Ingeniero‘ eine Autoritätsperson ist, dem in jedem Fall gehorcht werden muss und der auf alle Fragen eine Antwort weiss. Das drückt sich beispielsweise dadurch aus, dass der Bauer in jedem Satz, den er sagt, das Wort ‚Ingeniero‘ verwendet. Der Bauer fühlt sich nicht auf der gleichen Ebene wie der ‚Experte‘. Die Skriptüberzeugung lautet: ‚Ich schaffe es nie ohne die Hilfe von aussen.‘ Deshalb wird der ‚Ingeniero‘ auch immer wieder gefragt, ob er dies oder das noch mitbringen könnte.‘ Diese Skriptüberzeugung ist durch das koloniale Ausbeutungssystem entstanden. Dabei gilt es zu bedenken, dass auch die Inkas vor den Spanieren eine Kolonialmacht waren. Dieses hierarchische Ausbeutungssystem hat so tiefe Spuren hinterlassen, dass sich die Menschen auf dem Land minderwertig fühlen und nicht stolz darauf sind, die Erde zu bebauen und Lebensmittel zu produzieren. Dieses unsichere Verhalten wirkt sich auf die Vorgehensweise des ‚Experten‘ aus. Sie haben das Gefühl unselbständige und unwissende Bauern vor sich zu haben, denen alles erklärt werden muss. Dies fördert ihre direktiven Verhaltensweisen und verstärken damit die Skriptüberzeugungen beim Bauern. Dies ist nichts anderes als die Fortsetzung des Kolonialismus unter dem Deckmantel der Entwicklungszusammenarbeit. Partizipative Systeme in dem der Bauer selber zum Experten wird, sind theoretisch entwickelt. Um diese in die Praxis umzusetzen, müssen zuerst die eigenen Überzeugungen der Bauern über sich selbst und die Andern revidiert werden, wie das Autonomiesystem zeigt. Dies kann beispielsweise sehr gut, bei der gemeinsamen Pflanzarbeit von Bäumen mit dem Bauern geschehen. In der üblichen Praxis erfolgt eine Pflanzaktion von Bäumen so, dass der ‚Experte‘ die Bauern herumkommandiert, aber selber keine Schaufel in die Hand nimmt, um ein Pflanzloch zu graben. Das ist der alte koloniale Stil. Arbeiten Bauern und ‚Experten‘ jedoch gemeinsam auf der gleichen Ebene, kommt ein Gespräch in Gang, in dem beide voneinander lernen können.

3 Antworten zu TA

  1. Josef Brunner schreibt:

    Wau, das ist schon sehr tiefschürfend …. Allerdings darf man die Wirkung m.E. nicht überschätzen. Denn wenn der Systemveränderer weg ist, dann gewinnt Newton, bzw. die Massenträgheit.
    Du siehst, meine Ingeniero Natur drückt durch.
    Trotzdem, meine Bewunderung hast du!
    Herzlichen Gruss
    Josi

    • Vielen Dank für Deine Zeilen! Leider habe ich bei Dir nicht Charango spielen gelernt, denn damit lässt sich sogar Newton zur Ekstase tanzen.
      Ich komme gerade vom Karneval von Oruro zurück, den die UNESCO zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt hat. Da habe ich eine ziemlich bewegte Masse erlebt: Mehr als 20’000 Tänzer und 10’000 Musikanten bewegen sich auf 12 km durch die ganze Stadt. Die verschiedenen Tänze und die farbigen Trachten der Menschen vom Amazonasindianer bis zum Paceño sind so unglaublich bewegend, dass selbst die steife Masse eines Schweizer Gringos in Bewegung kommt. Wahrscheinlich sind die verschiedenen Tänze und die Musik ein wichtiger Zusammenhalt für dieses Land, das doch aus mehr als 35 ganz verschiedenen Ethnien besteht. Mal sehen, ob ich die Zeit finde, hier Charango spielen zu lernen. Bewegend wäre es in jedem Fall!!
      Ganz herzlich Johannes

  2. Stefan Brunner schreibt:

    Meines Erachtens unterscheidet Dr.J.X.B. nicht zwischen Systemveränderung und Systementwicklung. Wenn der Ingeniero Technico Newton`s Massenträgheit im Zusammenhang mit Menschen in Entwicklungsländern anführt zeugt das m.E. von der alten kolonialistischen Schule die der Arroganz der christlich – abendländischen Kultur entsprungen ist, aber definitiv ein Auslaufmodell ist.
    Mit besten Grüssen
    Stefan

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