Cochabamba

Nationaler autofreier Sonntag – Luft und Platz zum Radfahren

Um die verwinkelte Stadt besser kennen zu lernen, kommt der nationale autofreie Sonntag im September wie gerufen. Ohne Autoverkehr, Lärm und Gestank kann ich die Stadt erkunden und die besten Radrouten auskundschaften ohne überfahren zu werden. Zum Tag gibt es einen passenden Capucchino in einem Kaffee mitten in der Stadt.

Cochabamba scheint mir ein Mikrokosmos unserer Welt zu sein – hier findet sich alles: Reichtum und erschütternde Armut. Die Frage, wie wir damit leben, stellt sich in Cochabamba sofort, in der Schweiz vielleicht weniger, weil die Armut nur ab und zu durch den Filter der Medien wahrgenommen wird. Man kann anonymer wegschauen. Hier nehme ich wahr, wie ich selber wegschaue oder ich beobachte, wie weggeschaut wird.

Wie können Menschen in Würde leben? Wie können Menschen, die den Abfall nach etwas brauchbarem durchwühlen oder ihre Kleider im schmutzigen Fluss waschen, der gleichzeitig ihr Badezimmer ist, ein Leben in Würde leben? Was macht ihr Leben lebenswert? Ein Lächeln, ein freundlicher Gruss, ein Händedruck lässt mich spüren, dass auch für sie Freude kein Fremdwort ist. Etwas beschämt merke ich, wie stark Glück und materieller Reichtum für mich zusammengehören. Langsam wird mir klar: es gibt auch andere Kombinationen: weniger ist mehr.

Cochabamba ist eine Stadt, die in den letzten Jahren extrem gewachsen ist. Die Menschen kommen vom Altiplano ins Tiefland, weil der Regen ausbleibt und die Erde nicht mehr bebaut werden kann. In der Stadt erhoffen sie sich ein besseres Leben. Ein klassisches Migrationsproblem, das sich in vielen Ländern des Südens abspielt. Die rasch wachsenden Städte können die Infrastruktur für so viele Menschen gar nicht bereitstellen. Auch in der Schweiz wird Migration als grosses Problem empfunden. Erschreckend finde ich, dass die Lösung dabei im Bau von Mauern gesehen wird. Das ist ziemlich kurzfristig gedacht, denn die Migrationsströme werden irgendwann auch die stärkste und bewaffnetste Mauer zum Einsturz bringen. Was dann geschieht, möchte ich nicht beschreiben.

Bäume pflanzen auf dem Land – damit sich das Mikroklima verbessert, der Boden weniger degeneriert und die Menschen nicht mehr in die Stadt ziehen müssen. Dafür möchte ich hier arbeiten. Trotz Kulturschock habe meinen Idealismus noch nicht verloren.

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